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repost: Diebstahl in der Nationalbibliothek



Sorry about the earlier message with all the distorted German type.
Ton Cremers


------- Forwarded Message Follows -------

From:          Antonia Kriks <antonia.kriks@xxxxxxxxxxxxxxxxx>
To:            Ton Cremers <securma@xxxxxxxxx>

Subject:       Austria - in German. I don't see why the
English-spoken community should not put any effort into this
endeavour

DER STANDARD
Mittwoch, 13. Mai 1998, Seite 13



Die Strafe fuer OEsterreichs losen Umgang mit seinem Erbe:
Diebstahl in der Nationalbibliothek

Der Buecherschatz der Nationalbibliothek ist nicht nur
konservatorisch bedroht, er waere auch schon mehrfach fast verbrannt.
Da=DF die Gewaehr gegen Diebstahl ebenfalls fehlt, zeigte sich nun.


Michael Cerha


Die OEsterreichische Nationalbibliothek ist Opfer eines
spektakulaeren Kunstdiebstahls geworden. Der oder die Taeter
schnitten nach bisheriger Erkenntnis insgesamt 46 handkolorierte
Kupferstiche aus dem zwischen 1817 und 1824 erschienenen
dreibaendigen Werke Les Roses des franzoesischen Wissenschaftlers
Pierre Joseph Redout=E9, Teil der sogenannten Eugeniana (siehe rechts
unten) im Prunksaal der Nationalbibliothek. Der finanzielle und
kulturelle Schaden ist betraechtlich.

In der Nationalbibliothek wurden gestern, Dienstag, noch die
Unterlagen fuer die Anzeige zusammengestellt. Eine Verstaendigung der
Antiquariatshaendler ist bereits kurz nach der Entdeckung des
Diebstahls in der vorletzten Woche erfolgt. Johann Marte,
Generaldirektor des Hauses, hatte zum genannten Zeitpunkt nach
eigenen Angaben einem Gespraechspartner im Prunksaal der Bibliothek
einen der Baende aus der Eugeniana zeigen wollen. Dabei fiel ihm auf,
da=DF, hinausgehend ueber bereits in frueherer Zeit erfolgte
,Entnahmen" von Illustrationen aus dem betreffenden Band, weitere
stattgefunden haben.

Unklar ist fuer Marte vorerst noch der Zeitraum des Diebstahls: ,Es
koennte auch sein, da=DF der Diebstahl schon vor laengerem passiert
ist."

Kein Verdacht

Einen konkreten Verdacht in Hinblick auf den oder die Taeter hegt man
in der Nationalbibliothek vorerst offenbar nicht. Am gestrigen
Dienstag wurde die Lage in einer hausinternen Besprechung eroertert,
wobei auch mit der Suche nach Dokumentierungen der verschwundenen
Stiche begonnen wurde.

Ablichtungen - wie sie in auslaendischen Nationalbibliotheken, wo die
Bestaende laengst lueckenlos auf Mikrofilm gebannt sind,
selbstverstaendlich parat laege - wuerde das Wiederfinden des
Diebsguts erheblich erleichtern bzw. einen Verkauf am Markt
unmoeglich machen.

Fuer die im Prunksaal der Nationalbibliothek verwahrten Bestaende,
die mit die kostbarsten des Hauses ueberhaupt sind, ist bisher eine
konservatorisch einwandfreie Loesung aus Geldmangel wie aus
architektonischen Schwierigkeiten nicht realisiert worden. Derzeit
wird vom Josefsplatz aus ein mittig gelegener neuer Eingangsbereich
gestaltet. Er soll demnaechst fertig werden und zunaechst den zur
oesterreichischen EU-Praesidentschaft anreisenden Journalisten eine
zentrale Arbeitsstatt bieten. In Zukunft sollen hier vor allem
Ausstellungen und Veranstaltungen der Nationalbibliothek stattfinden
- zur Entlastung des klimatisch problematischen Prunksaales.

Eine Sicherheit der unschaetzbaren Bestaende der OEsterreichischen
Nationalbibliothek ist aber auch weder in Hinblick auf den
Brandschutz noch auf Diebstaehle verlae=DFlich gegeben. Beim
Hofburgbrand am 27. November 1992 hatten die Flammen bereits auf die
Dachkuppel des Prunksaals uebergegriffen. Das Wasser, das loeschende
Feuerwehrtruppen ueber das Gebaeude spruehten, haette im Herzen der
Bibliothek leicht einzigartiges Kulturgut beschaedigen koennen.

Prinz Eugens Buecher

Der Ankauf der Bibliothek des Prinzen Eugen, 1738 von Kaiser Karl
VI. getaetigt, stellt die bedeutendste Erwerbung in der Geschichte
der OEsterreichischen Nationalbibliothek dar. Der Kaufpreis bestand
in 10.000 Gulden jaehrlicher Leibrente an Viktoria von Savoyen, die
Nichte und Erbin des 1736 verstorbenen Prinzen. Der Wert der 15.000
Druck-, 287 Handschriften sowie 505 Kassetten Kupferstiche und
Portraets wurde von Zeitgenossen mit 150.000 Gulden hoeher angesetzt
als jener des Schlosses Belvedere.

Die Eugeniana, die bei einem Schwerpunkt auf Geschichte und
Geographie Werke aller Wissenszweige umfa=DFt, steht fast vollstaendig
im Mitteloval des 1726 fertiggestellten Prunksaales der Bibliothek.
Beruehmt sind etwa der Atlas Blaeu van der Hem oder die ebenfalls
topographische Tabula Peutingeriana. Im erweiterten Sinn zur
Eugeniana werden auch kostbar illustrierte Werke gezaehlt, die im
selben Teil des Prunksaals aufbewahrt werden, wie das ,Rosenbuch" von
Redout=E9, das nun zu Schaden gekommen ist. (elce)


(c) 1998 DER STANDARD Automatically processed with COMLAB NewsMaker





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