Auch Tapeten können restauriert werden!

Die Europäische Kommission hat innerhalb des Kultur 2000 Rahmenprogramms einem Team unter der Leitung des Instituts für Papierrestaurierung – Schloss Schönbrunn 300.000 Euro gewährt, um Techniken zur Restaurierung von Tapeten zu verbessern. Das Projekt gliedert sich in zwei Bereiche: einen Konservatorischen – es werden Tapeten in verschiedenen Schlössern restauriert – und einem Wissenschaftlichen: Wissenschaftler aus Ljubljana (Slowenien) und Stuttgart (Deutschland) widmen sich der Entwicklung neuer Klebstoffe für die Sicherung von Tapeten und Methoden für die Abnahme von Tapeten von ihren Trägern mittels Enzymen.

Tapeten sind ein Kulturgut, das leider nur zu selten gebührende Aufmerksamkeit erhält. Dabei gibt ihre künstlerische Gestaltung und die Art ihrer Verwendung Aufschluss über die Entwicklung der Wohnkultur. Zu einer Hochblüte der Tapete kam es im 18. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Chinoiserien: Kostbar bemalte Tapeten wurden aus China oder Japan importiert und dienten dem Schlossherrn als Statussymbol. Gerade Österreich ist besonders reich an prächtigen Exemplaren aus jener Epoche. Nur ein Beispiel: Schloss Eggenberg (Steiermark) besitzt einen einzigartigen japanischen Paravant aus dem 17. Jh. mit der ältesten Ansicht der Stadt Osaka (selbst in Japan haben sich keine Paravants dieser Periode erhalten). Um so erfreulicher ist es, daß nun im Rahmen eines geförderten EU-Projekts die Möglichkeit besteht, solche Kostbarkeiten zu konservieren und auch wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Im Zuge das EU-Projektes Wall & Paper sollen neue Methoden entwickelt werden, um Tapeten von der Wand oder anderen Trägern abzunehmen. Dies stellt in der Restaurierpraxis immer eine besondere Schwierigkeit dar. Ein Forscherteam der National- und Universitätsbibliothek in Ljubljana (Slowenien) widmet sich der Entwicklung einer wasserfreien Oberflächensicherung. Die wasserempfindliche Oberfläche der brüchigen, chinesischen Tapeten soll mit einem neuen Papier beklebt werden, um die Tapete bei der Abnahme zu schützen. Nach erfolgter Konservierung muss der Klebstoff dieser Sicherung wieder rückstandsfrei abgenommen werden können. Der Studiengang Restaurierung und Konservierung von Graphik, Archiv- und Bibliotheksgut der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart wird enzymatische Techniken entwickeln, um großflächig und gefahrlos Tapeten von ihrem Träger abzulösen. Amylasen sollen die Stärke, die den wesentlichen Bestandteil historischer Papierklebstoffe darstellt, abbauen, damit sich die Tapeten leicht von der Wand lösen.

Das Institut für Konservierungswissenschaften und Restaurierung – Technologie, Ordinariat für Technische Chemie an der Universität für angewandte Kunst Wien, begleitet alle Forschungsarbeiten mit naturwissenschaftlichen Analysen. Bei einem Kongress der IADA (Internationale Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks und Grafikrestauratoren) in Göttingen 2003 werden die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit den europäischen Papierrestauratoren vorgestellt.


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This page last changed: October 21, 2003